Thursday 6th of October 2022 09:59:03 AM Forderungen nach Anschluss-Konzept für 9-Euro-Ticket werden lauter

Die Forderungen an die Regierung, ein Anschluss-Konzept für das 9-Euro-Ticket zu entwickeln, werden lauter. "Ein Auslaufen ohne Anschlussmodell wäre fatal", sagte Dietmar Bartsch, Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag, den Zeitungen der "Funke-Mediengruppe" (Mittwochsausgabe). Das 9-Euro-Ticket sei "bei allen Problemen eine erfolgreiche Maßnahme", es entlaste "effektiv einen Großteil" der Bürger.

Bartsch schlug vor, das 9-Euro-Ticket dauerhaft durch ein 1-Euro-Ticket zu ersetzen. "Ein Euro pro Tag oder 365 Euro im Jahr" - mehr solle der Nahverkehr für Bürger nicht kosten, so Bartsch. Auch der Sozialverband Deutschland sprach sich für ein "365-Euro-Jahresticket" aus.

"Die Politik muss jetzt die Chance nutzen und langfristige Weichen für nachhaltige und bezahlbare Mobilität stellen, indem ÖPNV und Nahverkehr verbessert und für jeden bezahlbar werden", sagte Verbandspräsident Adolf Bauer. Das Ticket habe gezeigt, wie groß das Nutzungspotenzial im öffentlichen Personennahverkehr sei. Zur Finanzierung eines Nachfolgekonzepts schlug Bauer vor, Geld "umzuschichten - zum Beispiel vom Straßen-Neubau in den ÖPNV und die Umgestaltung des bestehenden Straßenraums".

Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn sagte, dass zunächst das Angebot im öffentlichen Nahverkehr deutlich erweitert werden müsse. "Tickets im Nah- und Fernverkehr sollten grundsätzlich nicht kostenlos sein, sondern immer etwas kosten", so Naumann. "Wer jedoch günstigen Nahverkehr anbieten mag, sollte vorher erst das Schienennetz und den Bahnverkehr durch eine Qualitäts- und Kapazitätsoffensive auf eine stärkere Nachfrage ausbauen und vorbereiten."

Zudem müsse der Autoverkehr etwa über höhere Parkgebühren deutlich verteuert werden. "Nur über diesen Weg kann eine Verkehrswende und die Verlagerung von der Straße auf die Schiene gelingen", sagte Naumann. Als vorbildliches Beispiel nannte er die österreichische Hauptstadt Wien, die für den öffentlichen Nahverkehr ein 365-Euro-Jahresticket eingeführt hat.

"Zuvor wurde über viele Jahre der gesamte Öffentliche Verkehr - wie die U-Bahn - erst ausgebaut, das Parken für Autos deutlich verteuert. Und erst zuletzt wurde das günstige Ticket eingeführt", so Naumann. Auch die Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz (VMK), Maike Schaefer (Grüne), spricht sich für ein Anschlussangebot zum 9-Euro-Ticket aus.

Sie forderte gleichzeitig die Erstellung eines Verkehrswende-Paketes. "Das ist im Prinzip vergleichbar mit der lange erhobenen Forderung der Länder nach einer massiven Erhöhung der Regionalisierungsmittel, um ein Ansteigen der Fahrpreise nach dem August zu verhindern", sagte Schaefer den Zeitungen des "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Mittwochausgaben). "Aber neben einem solchen bestmöglich bundesweit gültigen Ticket aus dem Klimaschutzsofortprogramm benötigen die Länder dennoch höhere Regionalisierungsmittel für bessere Fahrt-Takte, mehr Fahrzeuge und mehr Infrastruktur", so die Bremer Mobilitäts-Senatorin.

"Das alles sollte zu einem großen Paket für die Verkehrswende geschnürt werden, um im Verkehrssektor nachhaltig CO2 einzusparen", forderte Schaefer.

(dts Nachrichtenagentur)